Samstag, 25. Juli 2009

Depressionen und somatoforme Beschwerden

Über 80 Prozent der Patienten mit Depressionen leiden in der ein oder anderen Form unter zusätzlichen somatoformen Beschwerden. Dies stellte zumindest eine Studie der Abteilung Psychosomatik der Uni Mainz fest.

Unklare Beschwerden wie Klossgefühl im Hals, Schluckbeschwerden, Schwindel oder Schmerzzustände führen immer und immer wieder zu (unnötigen) Arztbesuchen. Es ist ja verständlich, dass die Betroffenen auf eine gute somatische Abklärung drängen, die ich als Arzt natürlich auch für sinnvoll und erforderlich halte. Aber eben nur EINMAL.

In den vergangenen Monaten hat mir eine sehr einfache (aber völlig unbekannte) Methode geholfen, meine Patienten in der Psychosomatik zu überzeugen, dass es eine psychische Beeinflussung bzw. Ursache gibt. Dabei gehe ich davon aus, dass die Beschwerden quasi eine Art "Fehlübersetzung" eines emotionalen Belastungszustandes ist, der sich im neuronalen Netzwerk des Gehirn nachweisen lässt. Statt der "Übersetzung" Kloss oder Schmerz, wähle ich jetzt eine andere Form der "Neu-Übersetzung" (Das Verfahren heisst übrigens EMOFLEX. Hierzu nutze ich die Fähigkeit des Gehirn, Emotionen in Bilder auszudrücken (oder gebündelte Synästhesie).

Aber zu einem konkreten Beispiel :

Neulich kam eine Patientin zu mir, die über ein Klossgefühl im Bauch klagte. Statt nun die üblichen medizinischen Fragen zu stellen, wurde ich genauer :

1. Wie genau sieht der Kloss aus ? Ist er schwer oder leicht (könnten sie ihn hochheben, wenn er tragbar wäre ?)
2. Welche Farbe passt am besten zu dem Kloss ?
3. Wäre er eher glatt oder rauh, wenn man ihn anfassen könnte ?
4. Warm oder eher kalt ? (Nass oder eher trocken?)
5. Fühlt er sich innen genauso wie aussen an?
6. Bewegt oder verformt er sich ?

Usw.

Die Patientin hatte jetzt ein sehr genaues Bild von diesem Kloss "vor Augen". Ich fragte noch, wie weit der Kloss jetzt von ihr weg sei. Das waren gut 1 m.

Gut.Jetzt machte ich eine sog. Rechts-Links-Stimuation (in ihrem Fall tippte ich ihr abwechselnd auf die rechte und linke Schulter, alternativ gehen auch 10 Augenbewegungen rechts/links).

Siehe da : Der Kloss wurde grösser und kam auf sie zu ...

Noch einmal 10 rechts-links-Aktivierungen und der Kloss bewegte sich.

Gut.

Jetzt bat ich sie, sich eine "virtuelle Zeitleiste" vorzustellen. Auf dieser Zeitleiste sollte an allen Stellen, wo das Klossgefühl hinpasst in der Farbe des Klosses ein kleiner Farbfleck erscheinen (klingt merkwürdig, funktioniert prächtig).

Sie war überrascht, da die ersten Flecken weit in ihre Kindheit reichten und etwas mit Trennungsängsten von der Mutter zu tun haben mussten (Kindergarten, Tod des Vaters etc.)

Mir geht es aber weniger um die klassische psychotherapeutische Bearbeitung. Vielmehr haben wir jetzt 10 Augenbewegungen auf die gesammte Zeitleiste gemacht. Und die Flecken wurden klarer und weniger.

In der Folge habe wir in ähnlicher Art und Weise immaginativ mit der Methode weitergearbeitet. Quasi eine Art "Traumaarbeit" auf psychosomatischer Ebene.

Erstaunlich für die Patientin war, dass mit der Veränderung des Bildes auch die Beschwerden "verschwanden" (ehrlich gesagt : Es treten dann aber neue Emotionen bzw. darunter liegende Probleme auf, die man noch weiter bearbeiten muss).

Seither läuft aber die Arbeit mit dieser Patientin viel viel angenehmer, die Arztkonsulationen wegen derartiger Beschwerden sind vorbei.


Leider ist dieses Verfahren noch nicht allgemein anerkannt oder überhaupt bekannt. Bisher haben erst etwa 5 Therapeuten in Deutschland eine Ausbildung in diesem Verfahren, dass sich ganz hervorragend nicht nur bei derartigen Beschwerden, sondern eben auch bei "echten" Traumata, Dissoziativen Störungen, Zwängen aber auch Wahrnehmungsstörungen einsetzen lässt.
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