Dienstag, 1. Mai 2007

Antidepressiva gegen Schmerzen

Für viele Patienten ist es zunächst unverständlich, wenn ihnen der Arzt ein Mittel gegen Depressionen bei chronischen Schmerzen verordnet. "Ich bin doch nicht verrückt" ist dann eine häufige Bemerkung, die gleichzeitig ausdrückt, dass der Arzt offenbar die körperlichen Aspekte des Schmerzes nicht ernst nehmen würde. Dabei ist schon lange bekannt, dass die Schmerzwahrnehmung im Gehirn passiert und ganz wesentlich durch Antidepressiva verändert = moduliert wird.

Moderne Antidepressiva modulieren Schmerz ist somit eine bekannte Tatsache.

Während die Ärzte bisher überwiegend ältere Antidepressiva (mit einer noradrenergen Wirkung) wie Amitrytilin bei Spannungskopfschmerz und anderen chronischen Schmerzen einsetzen, versucht der Hersteller Wyeth jetzt sein Antidepressivum Trevilor offenbar auch für diese Indikation bekannter zu machen. Trevilor ist ein kombinierter Noradreanlin- und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Eine Metaanalyse belege, das unter Venlafaxin deutlich bessere schmerzreduzierende Effekte auftraten als unter einem SSRI (was erstmal nicht verwundert, da man SSRI auch nicht für diese Indikation einsetzt). Der Vorteil von Venlafaxin wäre sicher, dass dieses Präparat nicht so müde macht wie ältere tricyclische Antidepressiva. Dafür ist der Preis astronomisch hoch und einige Patienten klagen über Absetzphänomene bzw. Unruhe und andere Unverträglichkeitsreaktionen.
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