Donnerstag, 16. August 2007

Modafinil bei der Bipolaren Störung

Die sog. manisch-depresive Form der Depressionen ist durch einen häufig chronischen Verlauf mit einem Wechsel zwischen schweren depressiven und sog. manischen Phasen gekennzeichnet. In einer neuen Studie wurde jetzt ein gänzlich neuer Therapieansatz für die Behandlung ausprobiert. Dabei gaben die Ärzte 100-200 mg Modafinil. Dieses Medikament wird üblicherweise bei der Narkolepsie, aber probatorisch auch bei ADHS im Erwachsenenalter eingesetzt. Gerade vor dem Hintergrund neuerer neurobiologische Erkenntnisse zu einer Dysfunktion im präfrontalen Cortex (ähnlich wie bei ADHS) erscheint ein Einsatz durchaus erfolgversprechend. Die Studie, an der auch die Unis in Freiburg und München beteiligt waren, ergab entsprechend positive Ergebnisse.

44 Prozent der Probanden erzielten ein besseres positives Ansprechen als die Placebo-Kontrollgruppe. 54 Prozent fühlten sich besser und 39 Prozent gaben an, dass ihre Symptome sich vollständig zurückgebildet hätten.

Nun ist die Bipolare Störung eine chronisch wiederkehrende Problematik. Dennoch ist es ein sehr interessantes Ergebnis.

Aus sehr persönlicher subjektiver Einschätzung würde ich allerdings hinterfragen, ob tatsächlich immer sauber eine manisch-depressive Störung vorlag bzw. von ADHS abgegrenzt werden konnte.



ScienceDaily: 'Wake-Up Pill' Under Study To Treat Patients With Bipolar Disorder

Kommentare:

Rene Kriest/Depressionsblog.com hat gesagt…

"Aus sehr persönlicher subjektiver Einschätzung würde ich allerdings hinterfragen, ob tatsächlich immer sauber eine manisch-depressive Störung vorlag bzw. von ADHS abgegrenzt werden konnte."

Wer heilt, hat recht.

Der soziale Aspekt der Betroffenen wird kaum bis nie in Therapie-Überlegungen als Entscheidungskriterium einbezogen.

Ich kann mich 2349623496234mal besser mit Ritalin und Modafinil fühlen als auch tatsächlich leistungsfähiger sein.

Solange der deutsche Gesetzgeber anderer Ansicht ist, heißt es nur Off-Label-Einsatz = is nicht.

Vor dem Hintergrund, daß Depressive bzw. Bipolare ohnehin in Lichtgeschwindigkeit ins soziale Abseits und in die Arbeitsunfähigkeit geraten, muß man sich schon fünfmal am Kopf kratzen um zu verstehen, was die bisherige Off-Label-Dummpraxis bedeutet:

Ein Sozialfall ist dem Staat lieber als jemand, der mit Ritalin/Modafinil besser ins Leben gehen könnte.

Das kann es nicht sein.

Viele Grüße,

Rene Kriest/Depressionsblog.com

web4health hat gesagt…

Es kommen viele Dinge zusammen. Ich habe z.B. vor einigen Jahren beim Kompetenznetz Depressionen ein Posting hinterlassen und vorsichtig angemerkt, dass hinter angeblichen chronischen Depressionen eben auch ein ADHS bzw. ADS vom unaufmerksamen Subtyp stecken könnte. Ich bin gelöscht worden, weil ich angeblich Werbung für ADD-Online machen wollte. Dabei sind Stimulantien als Ergänzungsmedikation (Augmentation) bei Depressionen durchaus "etabliert" und ich konnte in meiner aktiven Uni-Psychiatrie-Zeit bei Benkert in Mainz durchaus Argumente PRO meiner Meinung durchbringen.
2. Punkt : Leider gibt es eine sehr aktive Anti-Psychiatriebewegung, die sich gerade auch auf Ritalin eingeschossen hat. Unter der vermeindlichen "sozialen" Sichtweise ohne Medikation wird letztlich der eigene Psychokurs bzw. Gehirnwäsche verkauft.
3. Die soziale Situation von Menschen mit Benachteiligungen sind sicher fies. Ich ärgere mich tagtäglich darüber, dass die im Grundgesetz verbrieften Rechte einfach nicht durchsetzbar erscheinen. Oder wie soll Jemand mit schweren Depressionen bzw. ADHS sich in diesem Bürokratiejungel durchsetzen oder überhaupt seine Rechte kennen, wenn er immer und immer wieder aus Unkenntnis oder bewusst aus Kostengründen von den zuständigen Stellen falsch beraten wird?

Susanne hat gesagt…

http://www.aerzteblatt.de/v4/news/news.asp?id=30252

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