Sonntag, 13. Juli 2014

Onlineberatung Steinzeit des Jahres 2014

Von 2002 bis 2004 förderte die Europäische Gemeinschaft ein Informatikprojekt zum Einsatz des Internets bei psychischen Problemen. Es war ausdrücklich nun kein Medizin- oder Psychologie-Projekt, aber es war im Rahmen des sogenannten eHealth-Projektes mit in diesem Bereich angesiedelt. Ich hatte damals Kontakt zu anderen Modellprojekten, beispielsweise zur Behandlung von Depressionen, Angststörungen oder Essstörungen.

Web4health.info selber wurde von Informatikern, Psychologen und Ärzte aus Schweden, Griechenland, Holland, Dänemark und Frankreich entwickelt. Wir sammelten häufig gestellte Fragen in eine Art "Datenbank" (Frequently asked questions). Diese wurden dann jeweils übersetzt.
Zudem haben wir versucht, individuelle Fragen der Benutzer zu beantworten. Wir waren eines der Modellprojekte, die es in das Finale des eHealth-Wettbewerbes der EU schafften. Immerhin.

Derzeit ist das Projekt noch online, aber eben eher ein Hobby. Immerhin greifen aber tagtäglich allein auf die deutschsprachigen Seiten zwischen 5- 7000 Nutzer auf die Seiten zu. Sie informieren sich besonders häufig zu Fragen der Sexualität, zu Schlafstörungen, Depressionen oder Angst. Aber auch ADHS oder speziellere Fragengebiete werden häufig angefragt.

Nun könnte man meinen, dass sich seit dieser Zeit viel getan hätte. Sicherlich wäre unsere Technik überholungsbedürftig. Aber ein wirklicher Durchbruch des Einsatzes des Internets im Bereich Gesundheit / Psychologie steht noch aus.

In Sachen eHealth bzw. Einsatz des Internets bei der Onlineberatung oder Internettherapie wird das Rad aber immer wieder und wieder neu erfunden. Eine wirkliche Weiterentwicklung gibt es kaum. So werden gerade uralte Programme (Moodgym) evaluiert, die schon vor über 10 Jahren existierten. Neuere Projekte schaffen es nur selten in eine kommerzielle Phase.Mir sind allein 3 Projekte bei der Behandlung der Bulimie bekannt, die immer wieder neu gestartet werden. Letztlich werden da Psychologen auf Kosten von Fördergeldern bezahlt, ein Einsatz in einer grösseren Anwendungsphase steht aber aus. Das liegt sicher auch daran, dass sich viele Krankenkassen mit der Kostenübernahme schwer taten.


Dabei ist seit 2004 schon bekannt, dass die Therapieprogramme bei Angst oder Depressionen genauso wirksam wie eine Verhaltenstherapie in der Psychologen-Praxis sind.

Web4health.info wurde damals in Lüneburg am Zentrum für angewandte Gesundheitswissenschaften gestartet. Schön, dass es an der Leuphana-Universität in Lüneburg jetzt Forschung dazu gibt. Immerhin Jahre nach Auslaufen der damaligen Förderung der EU und nach Versiegen der Europäischen Kontakte. Das ist schon typisch für die Szene.

Es werden immer neue Projekte gestartet und gefördert, die wenigsten überleben die Förderphase.

Individuelle Onlineberatung wiederum ist schön und gut. Aber hier gibt es wiederum Probleme, da die standesrechtlichen Regelungen von Ärzten dies eigentlich ausschliessen und eine Ungleichbehandlung gegenüber Psychologen besteht. Aber auch ein Psychologe kann und darf nicht so einfach eine Online-Hilfe anbieten, wie man es sich vielleicht wünschen würde.

Dabei gibt es Wartezeiten von mehreren Monaten auf Psychotherapie. Mit entsprechenden Problemen, dass sich das psychische Problem chronfiziert bzw. längere Arbeitsfehlzeiten resultieren. Hier könnte eine Online-Beratung sehr wohl helfen.

Und man kann sehr wohl zwischen individueller Diagnostik bzw. Therapie und Beratung bzw. Coaching unterscheiden.

Tja, man könnte....

Wenn wir uns nicht noch weiter in der Steinzeit des Einsatzes des Internets als Beratungsmedium im Gesundheitsbereich befinden würden...
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