Sonntag, 16. November 2014

Wie Haschisch das Gehirn von Jugendlichen verändert

Cannabis : Früher Erstkonsum mit deutlich erhöhtem Risiko für Folgeschäden


Zum Thema Cannabis-Missbrauch und Abhängigkeit können vermutlich Eltern und Ärzte lange Predigten halten. Die Verbreitung von Haschisch unter Jugendlichen ist enorm hoch und leider sinkt auch trotz aller Bemühungen das Alter beim ersten Konsum von Cannabis-Produkten.Je früher man mit dem Kiffen beginnt bzw. je mehr Gesamtmenge auf das Gehirn toxisch (also schädigend) einwirken kann, desto dramatischer sind die in funktioneller Bildgebung nachweisbaren Schädigungen bzw. strukturellen Veränderungen.

Während für viele Jugendliche bzw. junge Erwachsene der Joint Haschisch vielleicht mal eine vorrübergehende Experimentierphase ist, stellt die Entwicklung von Gewöhnung bzw. Abhängigkeit von Cannabis gerade bei den jungen Erstkonsumenten ein grosses Problem dar.

Scheinbar widersprüchliche Veränderungen bei chronischem Cannabis-Konsum

Auf den ersten Blick mag es widersprüchlich erscheinen, was die Forscher als Veränderungen bei einem chronischen bzw. frühen Cannabis-Konsum an Veränderungen finden. Für die Untersuchungen wurden Cannabis-Abhängige untersucht, die im Schnitt dreimal täglich einen Joint rauchten.

Einerseits werden Hirnareale im sog orbito-frontalen Kortex des Gehirn geschädigt und sind dann kleiner als bei einer Kontrollgruppe.
Zusätzlich war aber gerade zu Beginn des Cannabis-Missbrauchs eine verstärkte Vernetzung des Gehirns auffällig. Je länger bzw. schwerwiegender aber die Abhängigkeit, desto stärker wurde dann die graue Substanz des Gehirns zerstört. Die Autoren vermuten, dass der  pharmakologisch wirksame Wirkstoff in den Hasch bzw. Cannabis-Produkten, das delta-9-tetrahydrocannabinol eben stärker auf die graue als auf die weisse Hirnsubstanz einwirkt.

Die Untersuchungen könnten erklären, warum sich viele Kiffer scheinbar recht lange noch recht gut im Alltag zurecht finden bzw. "funktionieren", da zunächst ja die Hirnfunktion bzw. Vernetzung intakt bleibt bzw. sogar scheinbar gefördert wird.

Die Folgen treten dann aber eben mit Verzögerung und umso schwerwiegender auf. Gerade dann sind aber die Abhängigkeit bzw festgefahrenen Verhaltensmuster und auch die "Verdrahtung" im Gehirn so festgefahren, dass eine Änderung ausgesprochen schwer ist.

Quelle : Francesca M. Filbey, Sina Aslan, Vince D. Calhoun, Jeffrey S. Spence, Eswar Damaraju, Arvind Caprihan, and Judith Segall. Long-term effects of marijuana use on the brain. PNAS, November 10, 2014 DOI: 10.1073/pnas.1415297111
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