Sonntag, 24. Juni 2007

Hörsturz : Ursache ungeklärt, Therapie oft wirkungslos

Der plötzliche Hörverlust auf einem oder beiden Ohren (mit oder ohne begleitende Ohrgeräusche = Tinnitus) oder Geräuschüberempfindlichkeit (Hyperakusis) ist ein relativ häufiges Ereignis. Etwa 200-300 Neuerkrankungen sollen pro 100000 Personen nach Schätzungen der Fachgesellschaften auftreten. Ob es nun "Notfälle" oder Eilfälle in der Behandlung sind, sei dahin gestellt. Immer noch machen jedenfalls HNO-Ärzte den Betroffenen Panik, dass dahinter ein schlimmes Ereignis stehen müsse, dass unmittelbare Behandlung bedarf. Diese Angst oder Vorwürfe "zu spät gekommen zu sein", lösen jedoch Anspannung und eine fehlgeleitete Fixierung auf jegliche Veränderungen im Hörsystem aus, die vermutlich sogar noch zur Verschlimmerung beitragen. Provokativ könnte man dabei behaupten, dass dadurch die Wahrscheinlichkeit einer Spontanheilung verringert wird. Was viele Menschen nicht wissen : In 32 bis 70 Prozent verschwindet ein Hörsturz auch (oder gerade) ohne jegliche Behandlung!

Dagegen sieht es um die Wissenschaftlichkeit der angebotenen Therapieverfahren sehr schlecht aus. 21 Studien wurden dazu in einer Metaanalyse verglichen. Dabei fällt schon auf, dass allein die Definition des Hörsturzes nicht einheitlich ist. Und letztlich ergeben sich für die Behandlungsoptionen allenfalls Ergebnisse, die einer unbehandelten Kontrollgruppe entsprechen. Weder Durchblutungsförderung, Virostatika, Flüssigkeitsgabe, Ionotrope Therapie mit Lidocain oder die hyperbare Sauerstofftherapie können dabei überzeugen.

Letztlich sind die Ursachen bisher unklar (vermutlich eher in zentralen Hörverarbeitungsprozessen als in einer Ursache am Innenohr selber) zu sehen. Die postulierten Behandlungen bringen meist überhaupt nichts.

Daher ist es fraglich, ob es nicht besser ist zu Hause zu bleiben als von einem HNO-Arzt verunsichert zu werden...
Deutsches �rzteblatt: Nachrichten "Meta-Analyse zum Hoersturz: Keine Therapie ist evidenzbasiert"
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