Montag, 9. April 2007

Manisch-depressive Störung

Über Jahre hat es sich bei Psychiatern mehr oder weniger "eingebuergert", dass man bei der Behandlung der manisch-depressiven Störung (auch Bipolare Störung genannt) Antidepressiva auch im depressionsfreien Intervall einsetzt. Dies sollte die übliche Behandlungsform mit sog. Phasenprophylaktika wie Lithium, Carbamazepin oder Valproat ergänzen. Nun ist eine derartige Behandlungsform nicht so ganz problemlos, da das Auslösen einer manischen Episode gerade durch diese Medikation diskutiert wird.

Eine neue Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass die Behandlung mit Antidepressiva bei diesen Patienten nicht zielführend ist. Dagegen müsste vielmehr eine längerfristige Psychotherapie auf der Grundlage der Verhaltenstherapie oder problemorientierten interpersonellen Psychotherapie (30 Sitzungen in 9 Monaten) angeboten werden. Die Aufklärung über Krankheitsursachen der Manisch-depressive Störung und Hilfen im Umgang mit Problemsituationen und emotionalen Schwankungen erwies sich als hilfreich, wenn es um das Verhindern neuer Episoden der Erkrankung ging.

Nun ist das Verschreiben der Medikamente aber leichter als eine entsprechende Psychotherapie wirklich anbieten zu können. Selten lassen sich Psychotherapeuten in einem ambulanten Setting auf diese Patientengruppe wirklich ein und selbst in psychiatrischen Kliniken wäre eine spezielle Gruppenpsychotherapie für Patienten mit Bipolaren Störung schon allein wegen der geringen Anzahl der Patienten und der kurzen Liegedauer kaum durchführbar. Auch wenn es immer häufiger spezielle Depressionsbewältigungsgruppen in Kliniken gibt (die das notwendige Wissen und Hilfen vermitteln), müsste man eine Öffnung der stationäre Behandlung gerade für derartige ambulante Patienten mit chronisch verlaufenden depressiven Störungen fordern.

Deutsches Aerzteblatt: Nachrichten "Bipolare Erkrankung: Psychosoziale Behandlung stuetzt Pharmakotherapie"
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