Freitag, 14. November 2014

Depressionen : Antidepressiva und Verhaltenstherapie wirken unterschiedlich

Depressionen verstehen : Wie wirken Verhaltenstherapie und Antidepressiva im Gehirn ?

Zur Rolle der Exekutivfunktionen im Vorderhirn und des Mandelkerns bei Depressionen

Auch wenn Depressionen und andere psychische Störungen des Selbstwertgefühls bereits jahrelang erforscht werden, so sind die genauen Ursachen für depressive Störungen und die daraus ableitbaren biologischen Behandlungsansätze über Antidepressiva oder eine Psychotherapie noch längst nicht endgültig verstanden.

Immer deutlicher wird aber, dass Antidepressiva und die Psychotherapie (z.b. Verhaltenstherapie bei Depressionen) eben nicht an den gleichen Angriffspunkten im Gehirn wirken. Psychiater gehen davon aus, dass nur etwa 22% bis 40% der depressiven Patienten unter einer Antidepressivatherapie eine volle Rückbildung erreichen.  Bei zahlreichen Patientinnen und Patienten mit Depressionen ist aber eben auch bei Wechsel von Antidepressiva kein antidepressiver Effekt zu erzielen (siehe Therapieresistenz bei Depressionen)

Von besonderer Bedeutung scheinen dabei einerseits die präfrontalen Areale im sogenannten Vorderhirn und der Mandelkern (Amygdala) zu spielen.

Das limbische System bzw. der Mandelkern ist eine Art Alarmzentrum bzw. hat mit anderen Hirnbereichen wie dem Hippocampus die Aufgabe, negative Erfahrungen bzw. Gefahrensituationen zu speichern, damit man in einer neuen Situation gewarnt ist.

Es gibt Hinweise darauf, dass Antidepressiva besonders auf die Verarbeitung dieser negativen Gefühle im Mandelkern Einfluss nehmen.

Funktion des präfrontalen Kortex bei Depressionen


Den präfrontalen Kortex kann man sich stark vereinfacht wie eine Schaltzentrale oder einen Flughafentower vorstellen. Hier werden sog. höhere Handlungsfunktionen (auch Exekutivfunktionen) koordiniert bzw. geplant, die für die Bewältigung von Alltags- oder Kulturaufgaben des Menschen wichtig sind.
Dieser Hirnbereich ist besonders anfällig für Stress bzw. Belastungen, aber auch für Schlafstörungen bzw nicht erholsamen Schlaf.
Dieser Hirnbereich kontrolliert bzw. bremst aber nun die Hirnareale wie den Mandelkern bzw. das limbische System, die negative Gefühle bzw. Wahrnehmungen senden.
Stark vereinfacht kann man davon ausgehen, dass bei einer Depression der präfrontale Kortex eine Unteraktivität bzw. verminderte Funktionsfähigkeit und Aktivität aufweist. Damit werden Gefühle bzw. negative Emotionen quasi ungefiltert bzw ohne rationale Bewertung in das Bewusstsein gelangen.

Eine gesunde Balance von positiven und negativen Gedanken und Gefühlen unterbleibt, da das Gehirn negative Informationen bzw. Alarm vorrangig behandelt, wenn nicht das Bewusstsein im Vorderhirn hier eine Regulation vornehmen kann !
Nach derzeitigem Wissen greift die Verhaltenstherapie bei Depressionen besonders auf die Bewertung bzw. Verarbeitung von Informationen und Bewertungen in diesem Bereich ein. Eine Verhaltenstherapie modifiziert (verändert) also nachweisbar Hirnfunktionen bzw. die höheren Handlungsfunktionen im präfrontalen Kortex !

Letztlich wissen wir bisher noch nicht, welche Therapieform nun für welchen Patienten im Einzelfall die beste Wirksamkeit zeigt. In aller Regel wird man heute eine Kombination von Antidepressiva-Therapie und Psychotherapie wählen und damit sowohl Einfluss auf die höheren Handlungsfunktionen wie auch auf die Alarm- und Emotionsverarbeitung im Limbischen System nehmen.
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